Sonntag, 15. Oktober 2017

Der 30. Geburtstag

Der heutigen Geschichte
gingen diese Reizwörter voraus:

Brimborium – Film – versprechen – ärgern – wichtig

Bei einem Geburtstag darf sie nicht fehlen.
Danke fürs Foto, Klärchen!

Umsichtig befuhr Nina die alte Landstraße. Inzwischen war es dunkel geworden und es hatte zu regnen begonnen. Eigentlich brauchte sie ihre ganze Konzentration zum Autofahren, doch sie konnte nicht verhindern, dass der blöde Streit mit ihrer Mutter ihr nachging.
Es war nicht das erste Mal, dass die beiden Frauen aneinander geraten waren. Immer wieder mischte sich ihre Mutter in ihr Leben ein und immer wieder ärgerte sie sich darüber. Heute war Ninas bevorstehender Geburtstag der Grund für einen Streit gewesen. Ihre Mutter war der Auffassung, sie müsse ihn in einem großen Rahmen feiern, mit Hans und Franz und Onkel und Tante. Nina war daraufhin explodiert: „Ich werde 30 Mama und kann meine Entscheidungen alleine treffen!“ Und dann hatte sie ihr klar gemacht, dass sie kein großes Brimborium um diesen Tag machen möchte.
Anschließend hatte ihre Mutter ihre größte Waffe eingesetzt und Sätze wie diese waren gefallen: „Ich meine es doch nur gut mit dir“ und „Niemand ist mir so wichtig, wie du“ und „Du musst mir versprechen, dass du den Tag nicht irgendwo alleine verbringst.“
Aber eigentlich würde sie das am liebsten tun. Einfach verreisen und ihren Geburtstag irgendwo auf der Welt in einem Liegestuhl mit einem Buch in der Hand verbringen. Doch wenn ihre Mutter ihr Ziel erführe, wäre die Gefahr groß, dass sie ihr nachreisen oder zumindest das Hotel aufmerksam machen würde. Nina hörte im Geiste schon alle anderen Gästen im Frühstückssaal ‚Happy birthday’ singen.
Natürlich ahnte sie, dass ihre Mutter enttäuscht war von ihr und ihrem Leben. Ihre Mama wünschte sich einen Schwiegersohn und Enkelkinder. Aber das Leben lief nun mal nicht für jeden nach dem gleichen Plan und Muster ab. Bisher waren all ihre Beziehungen nach kurzer Zeit gescheitert. – Klar, auch das lag in den Augen ihrer Mutter an ihr. Vielleicht stimmte es sogar.
Es war ja nicht so, dass sie gerne alleine war. Aber was sollte sie machen, wenn der richtige Partner nicht in Sicht war?
Wild um sich schlagend wachte Nina am nächsten Morgen auf. Ihr Geburtstag hatte sie bis in ihren Traum hinein verfolgt. Sie war ganz alleine auf dem Meer getrieben in einem Boot, das nicht größer war, als eine Nussschale. Sie hatte sich einsam und allein gefühlt und war sehr durstig gewesen. Plötzlich war am Himmel ein riesiges Flugzeug aufgetaucht und Menschen waren an Fallschirmen direkt auf sie zu gesprungen. Alle hielten Geschenkpäckchen in Händen. Sie hatte ihre Mutter erkannt, doch deren Fallschirm wollte sich nicht öffnen.
Es war ein schrecklicher Traum gewesen und Nina war noch völlig verwirrt. Hilfe suchend schaute sie auf den Wecker. War es Zeit, aufzustehen? Doch dann wurde ihr klar, dass Sonntag war. Während dieser Tag für die meisten Menschen der schönste der Woche war, fand sie ihn einfach nur schrecklich. Die meisten ihrer Freundinnen hatten an diesem Tag keine Zeit, weil sie irgendwelchen Pärchenaktiviäten nachgingen, irgendwo gemeinsam zum Brunch einkehrten, einen Spaziergang um den See machten oder sich irgendwelche Liebesbekundungen ins Ohr flüsterten.
Ihr Sonntag sah hingegen anders aus. Sie verließ ungern das Haus, verbrachte den Tag damit, sich eine Gesichtsmaske zu machen und mit einer Kuscheldecke auf dem Sofa Filme anzuschauen. So würde wohl auch dieser Sonntag für sie aussehen.
Mit einer Packung Papiertaschentücher neben sich und eingekuschelt in ihre Lieblingsdecke saß sie am Nachmittag vor dem Fernseher. Zum xten Mal sah sie sich eine Liebesschnulze an und obwohl sie wusste, dass die beiden Hauptdarsteller später ein Liebespaar wurden, weinte sie an manchen Stellen Rotz und Wasser. Zwar war sie ungeschminkt, doch die Tränen hinterließen kuriose Spuren auf ihrer grünen Gesichtsmaske. Das war Nina aber egal. Es sah sie ja niemand.
Unerwartet klingelte es jedoch an der Wohnungstür. Wer könnte das sein am Sonntagnachmittag? Bestimmt stand ihre Mutter vor der Tür und sah genau so tränenüberströmt aus, wie sie. Das könnte sie jetzt einfach nicht ertragen. Vielleicht sollte sie gar nicht öffnen. Doch ihr wurde klar, dass man ihren Fernseher auf dem Hausflur hören konnte. Während Nina noch darüber nachsann, wie sie sich verhalten sollte, pochte jemand an die Tür und eine ihr bekannte Stimme rief: „Nina, mach auf. Ich hör doch, dass du zuhause bist. Ich bins, Karoline.“
Gott sei Dank. Nicht ihre Mutter. Es war eine Kollegin, mit der Nina gut befreundet war und die sie auch in diesem Aufzug sehen durfte. Behände sprang sie vom Sofa und lief auf dicken Socken und in ihrer verschlissenen Jogginghose über den Flur Richtung Tür, die sie sogleich schwungvoll öffnete.
Im selben Moment wäre sie am liebsten im Erdboden versunken, denn vor ihr stand nicht nur ihre Kollegin, sondern auch ein junger Mann.
„Oh“, stotterte Karoline, „ich wusste ja nicht, dass du … ich wollte dir eigentlich nur …“.
Und dann war es der junge Mann, der diese diffuse Situation rettete: „Karoline wollte mich dir vorstellen. Ich darf doch Du sagen, oder? Also, wenn ich ehrlich bin, mache ich es mir am Sonntag auch am liebsten zuhause bequem. Wir können doch einen Moment in deinem Wohnzimmer warten, während du dich … herrichtest“, flachste er und hielt Nina seine Hand hin. „Mensch, bin ich unhöflich. Ich bin Timo.“
„Ich weiß“, stotterte Nina, „Timo Kornblume.“
Nun war es an Timo, dumm aus der Wäsche zu schauen.

An ihrem 30. Geburtstag saß sie nicht alleine am Tisch eines Restaurants, sondern mit Timo, dem Mann, den sie aus dem Kindergarten kannte. Sie waren damals unzertrennlich gewesen, doch dass Leben hatte sie bereits als Kinder auseinander gerissen. Nie zuvor war Nina so klar wie an diesem Tag, dass sie in all den Jahren immer nur auf ihn gewartet hatte.


© Martina Pfannenschmidt, 2017

Sonntag, 1. Oktober 2017

‚Der alte Krämerladen’ (Fortsetzung)

Erinnert Ihr Euch an die Geschichte

Einige wünschten sich eine Fortsetzung
dieser Geschichte mit einem offenen Ende.
Heute kommt sie!

Das sind die Reizwörter:
Rettung – Buch – ungenau – verstehen – reden

Schaut doch bitte, ob es bei
auch eine Geschichte zu lesen gibt. 


Marianne versuchte, sich auf ihr Buch zu konzentrieren, doch es gelang ihr nicht. Sie saß mit ihrem Mann vor dem Fernseher und konnte nicht verhindern, das Wortfetzen an ihr Ohr drangen: „Der Pass kam viel zu ungenau … völlig ungehindert tänzelt Ronaldo mit dem Ball Richtung Tor … und da ist es passiert …  keine Chance für Neuer … es steht 1:0 für Portugal!“ - Als ihr Mann es wieder einmal hatte kommen sehen und sowieso alles ganz anders und vor allen Dingen besser gemacht hätte, erhob sie sich und ging wortlos aus dem Zimmer.
Wie gerne hätte sie ihre Gedanken mit ihrem Mann geteilt, aber sie redeten nur noch selten miteinander – und wenn, war es nur belangloses Zeug. Was in ihr vorging, würde er eh nicht verstehen. Er ahnte ja nicht einmal von ihrem Gespräch mit Helene und auch nicht davon, wie aufgewühlt sie seither war. Helene schien ihre einzige Rettung aus ihrem eingefahrenen Leben zu sein. Marianne kam es so vor, als hinge ihr Schicksal von Helenes Entscheidung ab. Ob sie wirklich hier bleiben und mit ihr gemeinsam das Haus mit dem alten Krämerladen umgestalten würde? Oder ob sie doch wieder fortgehen würde in ihr altes Leben?

Helene war inzwischen in dem Gasthaus angekommen, in dem sie sich für die Zeit ihres Aufenthaltes in diesem Dorf eingemietet hatte. Die Möglichkeit, im Haus ihres Onkels zu übernachten, hatte sie gar nicht erwogen. Vielleicht waren ihre Gedanken dahinter, nicht zu sehr in seine Privatsphäre eindringen zu wollen. Dennoch war ihr bewusst, dass sie genau dies tun musste. Wie sonst sollte sie sein Haus ausräumen und das stand ihr in jedem Fall bevor. Sie wollte es ja verkaufen. Eine leichte Gänsehaut überzog sie bei diesem Gedanken. Sie hatte das Gefühl, als stände Onkel Wilhelm neben ihr und würde ihr ins Ohr flüstern: ‚Helenchen, überleg es dir noch einmal. Vielleicht möchtest du ja doch hierher ziehen.’
Schnell wischte sie diese Gedanken beiseite. Blödsinn! Sie gehörte nicht hierher und der Vorschlag von Marianne war gar nicht umzusetzen. Sie hatte zwar etwas auf der hohen Kante, wie man so sagt und bald käme noch eine stolze Summe durch ihre Lebensversicherung hinzu, aber damit wollte sie sich ein gutes Leben im Alter sichern und auf Reisen gehen. Nein, nein, Marianne hatte ihr nur Flausen in den Kopf gesetzt. Es lohnte sich gar nicht, weiter darüber nachzudenken. Gleich morgen würde sie beginnen, das Haus auszuräumen und einen Käufer zu suchen.
Für Helene folgte eine sehr unruhige Nacht. In ihrem Traum sah sie Onkel Wilhelm, wie er durch sein Haus ging und alles noch einmal in Augenschein nahm. Und wieder stand er vor ihr und bat sie, das Haus nicht zu verkaufen und ernsthaft über Mariannes Vorschlag nachzudenken.
Am nächsten Morgen fühlte sich Helene wie durch eine Mangel gedreht. Vielleicht halfen ihr ein gutes Frühstück und ein starker Kaffee, sich besser zu fühlen. Danach wollte sie Marianne bitten, ihr zu helfen. Zusammen ist vieles leichter, ging ihr durch den Kopf. - Zusammen, dieses Wort hatte für Helene einen ganz besonderen Nachklang. Zusammen – sie war oft alleine und selten gab es jemanden, mit dem sie etwas gemeinsam machte. In der heutigen Zeit entfernen sich die Menschen irgendwie immer mehr voneinander, obwohl sie durch soziale Medien häufig in Kontakt stehen.
Nachdem Helene den letzten Schluck Kaffee getrunken hatte, griff sie zu ihrem Handy und rief Marianne an. Diese sagte sofort ihre Hilfe beim Ausräumen des Hauses zu.

3 Jahre später: Helene saß alleine am Tisch und sie fragte sich in diesem Augenblick, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die damalige Zeit und die Gespräche mit Marianne standen ihr vor Augen, als sei es gestern gewesen.  Marianne hatte von einem Mehrgenerationenhaus gesponnen. Sie hatte von einem gemeinsamen Leben in einer Großfamilie unter einem Dach gesprochen. Eigentlich unerreichbar für sie beide, da sie weder Kinder noch Enkel hatten.  
Dennoch hatte Marianne diese Gedanken weiter gesponnen, wie es sein würde, dieses Miteinander, von dem alle im Haus lebenden Personen und Generationen profitieren würden. - Sie hatte darüber nachgedacht, dass sie einer jungen Familie zur Seite stehen könnten und dies allein durch ihre Anwesenheit zur Mittagszeit oder am Abend.
Marianne hatte damals versucht, ihr klar zu machen, dass dieses Zusammenleben auch den Kindern Vorteile brächte. Zum einen, weil sie niemals allein sein mussten, und zum anderen, weil sie früh im Leben das Zusammenleben mehrerer Menschen unterschiedlichen Alters kennen lernen würden. Ihre Freundin hatte sich vorgestellt, dass man sich gegenseitig unterstützt, Probleme gemeinsam angeht und dann löst.
Das Haus mit dem alten Krämerladen darin sollte sich wandeln und eine Begegnungsstätte werden, in der das Miteinander aktiv gelebt wird, mit der Prämisse, dass die Jüngeren den Älteren helfen und umgekehrt. Sie hatte sich sogar vorgestellt, dass es einen großen offenen Raum gäbe, das Herzstück des Hauses, in dem unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespräch kommen und Kontakte knüpfen konnten – über Konfessionen, Generationen und Nationen hinweg. Der offene Raum sollte Caféstube, Erzählecke und Spielzimmer sein. Marianne hatte gemeint, dass sich in diesem Haus jeder mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen könnte. Ihre Freundin hatte 1000 Ideen im Kopf gehabt und ganz besonders hatten ihre Augen geleuchtet, wenn sie sich vorstellte, als Leihoma zu fungieren.

Helene schaute hoch, weil Lea den Raum betrat.
„Bist du ganz alleine?“, fragte das Mädchen.
„Im Moment noch“, entgegnete Helene, „aber das wird sich ganz gewiss gleich ändern.“
Lea setzte sich auf Helenes Schoß, legte dabei ihre Arme um den Hals ihrer Leihoma und meinte: „Und ich weiß sogar, warum?"
"So", erwiderte Helene schmunzelnd, "warum denn?"
"Na, weil man zusammen nicht alleine ist - und das ist einfach toll, oder?"


© Martina Pfannenschmidt, 2017


In 14 Tagen 
gibt es eine weitere Geschichte.
Bis dahin:
Tschüß!



Freitag, 15. September 2017

25.500

Der heutigen Geschichte
gingen diese Reizwörter voraus:

Herbstzeitlose – Krabbenkutter – zählen – wählen – ernsthaft


Danke dir für das schöne Foto aus Greetsiel, Klärchen!

Diese Zahl wollte Bernd nicht mehr aus dem Kopf gehen. 25.500! War das nun viel oder wenig? Für einen Millionär waren es Peanuts und für einen armen Menschen bedeuteten sie Reichtum. Aber es ging ja gar nicht um Geld.
Bernd nahm seine Jacke vom Haken. So früh am Morgen war es noch empfindlich kühl. - Beim Blick aus dem Fenster der kleinen Pension, in der er heute seinen letzten Urlaubstag verbrachte, sah er einen alten Krabbenkutter in den kleinen Hafen einfahren. Auch für den Fischer galt diese Zahl – vielleicht mehr, vielleicht aber auch weniger. An wie vielen von 25.500 Tagen gab es für ihn einen guten Fang? An wie vielen machte er sich Gedanken um seine Existenz oder um andere Menschen? An wie vielen würde er über das Wetter klagen, weil es zu grau, zu nass, zu kalt oder zu heiß war?
Bernd schlenderte durch das idyllische kleine Fischerdorf, in dem er immer wieder gerne seinen Urlaub verbrachte. Er ging an einem Fischgeschäft vorüber, in dem es äußerst leckere Fischbrötchen gab.
Ein paar Häuser weiter leuchteten in purpurnen Farbtönen die hochgiftigen Blumen mit dem markanten Namen ‚Herbstzeitlose’. Sie verbreiteten ein wahres Feuerwerk an Farben und erfreuten ihre Umwelt mit ihrer verschwenderischen Blütenfülle.
Bernd zückte ein weiteres Mal seine Kamera. Zum X-ten Mal fotografierte er nun schon dieses kleine Fischerhaus. Er konnte sich einfach nicht satt sehen an ihm. Besonders die Eingangstür hatte es ihm angetan. Wie oft sie wohl schon geöffnet und wieder geschlossen worden war, seit ein Tischler sie hier vor vielen Jahren eingesetzt hatte? Wie oft wurde sie schon voller Wut zugeworfen? Und wie oft waren die Menschen glücklich, als sie durch diese Tür das Haus betraten oder verließen – und wie oft waren sie wohl traurig?
Bernd schmunzelte über sich selbst, weil er schon wieder so viele Fragen in seinem Kopf wälzte. Er hatte die Tage, an denen er über den Sinn seines Lebens nachgedacht hatte, nicht gezählt, doch er setzte sich oft und ernsthaft mit vielen Fragen auseinander. Das war so sein Naturell.
25.500 – wieder kam ihm diese Zahl in den Sinn. An 5.000 davon  hatte er die Schulbank gedrückt. An wie vielen dieser Tage war er fröhlich zur Schule gegangen? An wie vielen hatte er Bammel vor einer bevorstehenden Arbeit gehabt? An wie vielen Tagen war er lustlos gewesen? Wie viele dieser 5.000 Tage hatte er sinnvoll verbracht und etwas für das Leben gelernt?
Eine weitere Zahl gab ihm zu denken: 15.000! An ca. 15.000 Tagen ihres Lebens gehen die Menschen im Durchschnitt einer Arbeit nach. Wie furchtbar, wenn sie so viele Tage ihres Daseins damit verbringen, einer Arbeit nachzugehen, die ihnen keine Freude bereitet. Verschwendete Zeit – verschwendete Lebenszeit!
Ist es nicht wichtig, sich lebendig zu fühlen und glücklich? Doch es ist nicht immer so einfach, diesen Zustand zu erreichen. Bernd fragte sich, wie es gelingen kann, dass wir Menschen uns glücklich und lebendig fühlen und ein sinnerfülltes Leben führen.
Ist es nicht so, dass wir uns oft fremdbestimmt fühlen durch Gegebenheiten oder weil wir es anderen recht machen wollen? Wie oft schieben wir unsere eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte beiseite und wie oft sind wir gedanklich bei anderen Menschen und nicht bei uns? Aber geht es nicht darum, unsere Sehnsüchte zu leben und unsere Visionen und Träume? Sollten und müssen wir uns für ein sinnvolles Leben nicht fragen, was uns am Herzen liegt? Sollten wir nicht unsere Ziele verfolgen?
Ganz sicher ist es für niemanden möglich, sein Leben ausschließlich nach seinen Maßstäben auszurichten. Doch wir sollten nie die Freude an unserem Leben aus den Augen verlieren. Das hatte Bernd inzwischen für sich erkannt.
Ihm ging durch den Kopf, dass wir alle mit mindestens einer Begabung hierher gekommen sind. Genau diese Fähigkeiten und Talente gilt es, einzusetzen. Nur aus diesem Grund sind sie da. Vielleicht sind WIR sogar ‚nur’ aus diesem Grund da?!
Der eine Mensch ist handwerklich, ein anderer ist musikalisch oder künstlerisch begabt. Ein weiterer hat vielleicht ein großes Einfühlungsvermögen, mit dem er anderen Mut zusprechen kann. Egal was es ist, wir sollten es leben. Aber manchmal liegen all unsere Begabungen unter einem riesigen Berg an Ballast begraben. Wie schade, wenn uns nur 25.500 Tage zur Verfügung stehen. 
Bernd wusste, dass das Leben ganz viel mit Vertrauen zu tun hat. Vertrauen darin, dass alles seinen Sinn hat. Mit diesem Wissen fällt es leichter, schwere Zeiten anzunehmen, weil man beginnt, aus ihnen seine Lehren zu ziehen.
Bernd dachte darüber nach, wie selten wir Menschen Glück wirklich bis in jede einzelne Zelle unseres Körpers hinein verspüren. Doch was macht uns glücklich? Die Antwort hatte er für sich gefunden: Die Dinge, die uns begeistern, machen uns glücklich. Doch wie selten leben wir das aus, weil es tausend andere scheinbar wichtige Dinge in unserem Leben gibt, denen wir den Vorrang geben.
Wie wichtig sind Freundschaften in unserem Leben oder unsere Familie? Sie nimmt einen sehr großen Platz ein. Wir sind Lebewesen, die ein soziales Umfeld brauchen. In schwierigen Lebenssituationen finden wir gerade in unseren Familien Halt und Rückendeckung. Den Stellenwert unserer Familie und den unserer Freunde sollten wir nicht unterschätzen.
Doch das allerwichtigste schien Bernd zu sein, die Verantwortung für sein eigenes Leben nicht aus der Hand zu geben. ‚Jeder ist seines Glückes Schmied’ heißt es und ‚aus Steinen, die uns im Wege liegen, können wir etwas Sinnvolles bauen’. Die Entscheidung, wie wir die Aufgaben angehen, die uns das Leben stellt, liegt an uns – liegt IN uns.
25.500! Bei einer durchschnittlichen Lebenszeit von 70 Jahren stehen einem Menschen 25.500 Lebenstage zur Verfügung. Mehr als 20.000 davon hatte Bernd bereits gelebt. Hatte er sie wirklich gelebt?
© Martina Pfannenschmidt, 2017
Heute verabschiede ich mich in eine längere 
Blogpause!

Meine Geschichten werde ich allerdings
noch am 1. und 15. eines Monats
einstellen. :-)

Alles Liebe!


Mittwoch, 6. September 2017

Zwischenfrage

Heute bin nicht ich es, die eine Frage stellt, sondern unsere jüngste Enkeltochter. Sie geht jetzt in die 2. Klasse und hatte heute zum ersten Mal eine Religionsstunde.

Beim Mittagessen verkündete sie: 
„Dieser Dings, wie heißt der noch mal, der die Erde erfunden hat?“

 Gott!Erde bilder

„Ja, genau. – Herr G. sagt, dass es eine Woche gedauert hat, 
bis sie fertig war.“

Ich lasse das mal so stehen.

Nach einer Weile:
 „Oma, wie alt ist dieser Gott eigentlich?“

Es gibt so Fragen, 
die sind echt nicht so leicht zu beantworten. J




Sonntag, 3. September 2017

Frage 14: Bist du ein Resteverwerter?

Kürzlich wurde in einer Quizshow die Frage gestellt, wer die meisten Essensreste in den Müll wirft: die Restaurants, die Industrie, oder wir Verbraucher.

Wahrscheinlich ahnen es die meisten:
Wir Verbraucher sind diejenigen, die am meisten entsorgen.

Essen bilder

Mir steht in diesem Moment ein Film vor Augen, in dem die Familie am Küchentisch sitzt und frühstückt. Der Tochter wurde ein Brötchen auf den Teller gelegt. Angerührt hat sie es nicht. Sie ging, ohne etwas zu essen, zur Schule. – In der nächsten Szene räumte die Mutter den Tisch ab. Sie nahm den Teller der Tochter vom Tisch, kippte das Brötchen in den Abfall und stellte den Teller in die Spülmaschine. – Ist das tatsächlich unsere Realität? Sind wir so?
Und noch etwas geht mir zu diesem Thema durch den Kopf: Unsere Tochter beschwerte sich einmal über ihre Oma, weil die ihr das Essen auf den Teller tat und anschließend forderte, dass sie alles aufisst. Das fand sie schon als Kind nicht in Ordnung. Ich übrigens auch nicht, weil dadurch die natürliche 'Essbremse' verloren geht. Aber die Oma wurde so erzogen: Sie musste immer alles aufessen und gab dies im guten Glauben, richtig zu handeln, an Kinder und Enkel weiter.
Was aber passiert, wenn die Kinder ihren Teller nicht leeren müssen, mit den Resten? Da gibt es vielleicht den Papa, der sagt: Das darf man nicht wegwerfen und isst den Rest des Kindes, während die Mutter den Kopf schüttelt und meint: Du bist doch kein Mülleimer.
Ja und dann geht mir noch ein Satz durch den Kopf, der mir aus einer Kurklinik überliefert wurde: ‚Ob das Essen zuerst durch deinen Körper geht und dann in die Toilette wandert oder ob wir es gleich entsorgen, das kommt aufs Gleiche raus!’

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Ulla: Also den Satz aus der Kurklinik finde ich schon sehr grenzwertig und sollte nicht einfach so "verwertet" werden. 
Als Mieterin einer Wohnung gehen meine Reste in die braune Tonne. Früher mit eigenem Haus und Garten wurden sie durch den Thermokomposter der Erde wieder zugeführt.
Und noch früher gab es in der großen Familie immer einen, der sich "erbarmte", die Reste zu verputzen ;) 

Martina: Grins! Bei uns fand sich früher (in einem 7-Personen-Haushalt) auch immer jemand für die Reste!
Angel: was noch gut ist, kommt am nächsten Tag in die Pfanne oder wird gleich eingefroren; nix schmeckt an manchen Tagen besser als "aufgewärmtes, ganz davon abgesehen ich mags auch gern, ganz davon nochmal abgesehen setzinger Gulasch oder Kartoffelsuppe schmeckt tatsächlich nur wirklich gut wenn man mehr davon macht etwas was man unmöglich auf einmal aufbekommt.Schon geschmiertes Frühstücksbrötchen würde ich der Tochter mit als Pausenbrot mitgeben, was sie dann damit macht, ob sie es dann einem Hund auf der Strasse gibt,wär mir egal, Essen schmeisst man nur dann in die Mülltonne/Biotonne/auf den Kompost wenn es verschimmelt und schlecht ist und es sogar die Katzen/Hunde nicht mehr wollen, die empfinden nämlich "geschenktes vom Tisch" immer als etwas köstliches bei mir) - Wer so handelt wie im beschriebenen Film ist auf jeden Fall gedankenlos und undankbar Essbarem gegenüber und alles andere als ein Vorbild für die Kinder.Kinder zum essen zwingen halte ich für keine gute Idee, warum gibt man dann von Anfang an nicht gleich weniger auf den Teller oder fragt vorher was und wie viel sie davon möchten?
Erziehung ist auch Vorbild sein.
meine ich...wie es andere handhaben weiss ich natürlich nicht.
reste zu verputzen ist wie getragenes ehren"sag ich immer, kenne aber auch welche "die gestriges vom Herd ablehnen", warum auch immer! Wahrscheinlich mussten sie nie Hunger leiden. 
Martina: Bei diesem Film wurde dieses Verhalten ja sogar einer breiten Öffentlichkeit als 'normal' präsentiert. Das fand ich voll daneben - im übrigen auch, dass in Filmen ständig Alkohol konsumiert wird. Das ist aber ein anderes Thema!
Regina: Bei uns wird recht wenig weggeworfen, wir versuchen, unsere Speisen selbst aufzuessen (notfalls am nächtsten Tag). Altes Brot frisst unser Pony und die Hunde freuen sich über den ein- oder anderen Leckerbissen (am liebsten Eintopfgerichte). Gemüse und Obstabfälle landen auf dem Komposthaufen. 
Martina: Tiere haben wir heute leider keine mehr. Als ich Kind war, hielten wir ein Schwein und das bekam die (wenigen) Reste.
Helga: Ja, ich bin ein einfallsreicher Resteverwerter.Unsere wenigen Essensreste, werden am nächsten Tag aufgewärmt oder eingefroren.Wir werfen kaum restliche Speisen in die Biotonne oder Kompost.Aus alten Semmeln mache ich gern Semmelknödel oder Semmelbrösel, ais einem Fleischrest zaubere ich am nächsten Tag ein passendes Menü mit kleiner Fleischeinlage, usw.... Wenn mal wirklich Resteverwerter im größerem Stil gesucht werden, steht mir meine Familie (6 Personen) gern hilfreich zur Seite. :):):) 
Martina: Bei uns ist das auch kein Problem. Wir sind zusammen mit der Familie unserer Tochter auch 6 Personen im Haus. :-)
Varis: Es ist nicht selbstverständlich, dass man Überfluss auf dem Tisch hat und man sollte mit den Früchten der Natur entsprechend respektvoll umgehen. Ob es der Verbraucher ist, der das meiste Essen wegwirft, weiß ich nicht. Ich finde es frevelhaft, wie man z.B. in den Supermärkten mit Lebensmitteln umgeht. Da lässt man sie lieber vergammeln und wirft sie tonnenweise in den Müll, anstatt sie etwas billiger an die Verbraucher abzugeben. Und besonders allergisch reagiere ich auf diese sog. Lebensmittelskandale wie jetzt aktuell wieder mit Fipronil. Das ist total lächerlich. Wenn man sein Haustier mit dem Zeug einnebelt, bekommt man tausendmal mehr davon ab, als wenn irgendwelche Mikromengen davon in Eiern nachweisbar sind. Es werden hier Millionen von Eiern vernichtet und Hühner abgeschlachtet und im Gefahrenmüll entsorgt, während man sich weiterhin einen viel höher dosierten Giftcocktail z.B. durch den Verzehr von Südfrüchten oder Antibiotika-getränktem Schweinefleisch reinpfeift. Die haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Irgendwann rächt sich dieser frevelhafte Umgang mit der Natur. 
Martina: Was sich zum Teil in dieser Hinsicht abspielt, ist wirklich unglaublich. - Vielleicht werfen Lebensmittelgeschäfte immer noch viel weg. Aber Gott sei Dank geht vieles auch an 'Die Tafel' oder derartige Organisationen. Das finde ich sehr gut. - Bei unserem Bäcker ist es so, dass er 1/2 Stunde vor Ladenschluss alles zum halben Preis verkauft. Da stehen die Menschen Schlange!
Christine: Wir mussten als Kinder auch immer alles aufessen, allerdings durften wir auch selber schöpfen. Meine Kinder müssen nicht unbedingt aufessen. Weggeschmissen wird jedoch nichts. Entweder wird das Essen nochmals aufgewärmt, oder unsere Tiere bekommen die Reste.
Martina: Ja, wenn man Tiere hat, ist die Resteverwertung kein Problem.
Elke: Zunächst muss das Kind lernen, nicht zu viel auf den Teller zu geben und nur das zu nehmen, was es wirklich essen möchte. Das kann man kleinen Kindern schon beibringen, dass das Essen weder zum Spielen noch zum Verschwenden da ist. Manche Erwachsenen können das auch nicht und überladen die Teller z. B. im Hotel am Buffet. Darüber kann ich mich aufregen, wenn dann anschließend das Meiste ungegessen auf dem Teller bleibt, nur weil man zu faul ist, mehrmals zum Buffet zu gehen. Zu Hause sollte man nicht zu viel frische Sachen, die leicht verderben auf Vorrat kaufen. Auch hier ist es besser, lieber notfalls mehrmals einzukaufen. Heute kann man auch gut etwas einfrieren, wenn nicht alles gegessen wird. Aufläufe, Gemüseeintöpfe oder Gemüsepfannen lassen sich gut zur Resteverwertung nutzen. Man gibt nur zum Restegemüse ein paar Nudeln oder Kartoffeln dazu, schon kann man daraus ein neues Gericht kochen. Wir werfen auch kein trockenes Brot oder Brötchen weg. Ich mache daraus Semmelbrösel oder einen süßen Auflauf mit Eiern, Milch und Rosinen.
Martina: Ich freue mich sogar, wenn wir Reste übrig behalten, so wie heute Mittag bei einem Auflauf. So hab ich für morgen schon mal für 2 Personen etwas. Der Rest freut sich immer über Nudeln! :-)
Klaudia: Bei uns wird wenig weg geschmissen...Essensreste werden möglichst kurzweilig verzehrt, so zb: Kartoffeln, mein Mann liebt es abends Bratkartoffeln zu essen (die er sich dann selbst zubereitet;-)...auch unsere beiden Hunde freuen sich, wenn sie von den Resten bekommen und wir wundern uns , was sie doch alles mögen.
Auch in anderen Dingen bin ich eher minimalistisch eingestellt. Putzmittel zB. ich brauche nicht jedes Teil, ein extra Mittel, ich schaue auf Umweltfreundllichkeit und setze dieses für vieles ein. Ach ich könnte noch vieles aufzählen.
Den Ausspruch der Kurklinik, kann ich so leider nicht unterschreiben.
Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen und habe gelernt, mit wenig aus zu kommen und dass, das was wir hatten geteilt und eben auch wieder verwertet wurde.
Martina: Oh, da sagst du was. Wenn nur ein paar Kartoffeln übrig sind, wird es schwierig, weil sich sooooo viele finden, die sie gerne als Bratkartoffeln essen. - Allerdings suche ich noch den Mann, der sie sich selbst brät! :-)
Christine: Bei uns wird so gut wie nichts weggeworfen - es sei denn, es ist schimmlig oder angefault.
Essensreste werden immer irgendwie verwertet. Übrig gebliebenen Reis oder Nudeln kann man beispielsweise wunderbar zu einem Eintopf verarbeiten - oder zu einer "Gemüsepfanne" - mit Kokosmilch, Sahne, Resten von Fleisch oder Wurst ... Bei uns heißt das "Muss-weg-Pfanne" (weil alles reinkommt, was weg muss ...) **grins** Oder es gibt "Schinkennudeln ohne Schinken" - da werden übrig gebliebene Wurstreste verarbeitet. Käse drüber oder Ketchup oder beides ...
Ich habe das von meiner Mutter gelernt - sie hat den Krieg miterlebt und war heilfroh, wenn überhaupt irgendwas zu essen da war ... Und ich handhabe es auch heute noch so. Essen wegwerfen (oder damit herumschmeißen wie bei diesem blöden Tomaten-Event in Spanien) ist für mich ein Frevel!
Martina: Schinkennudeln ohne Schinken sind schon klasse, doch die 'Muss-weg-Pfanne' ist noch besser! :-) Wir lieben übrig gebliebene Nudeln in der Pfanne mit Butter gebraten und Ei darunter gerührt. Ketchup dazu kann nicht schaden! :-)
Romy: Ich bringe den Kindern bei nur das zu nehmen was sie auch wirklich essen. Deshalb gibt es bei jeder Mahlzeit die selben Satz. "Nimm bitte nur soviel, wie du auch schafft. Man kann danach ruhig nochmal nachnehmen"....
Martina: Genau so ist es. Aber auch das muss man den Kindern vorleben.
Rosi: bei mir gibt es kaum Reste 
und was ich mehr koche (sonntags) wirs ein oder 2 mal wieder zu Mittag gegessen
in den Müll kommt nur was wirklich verschimmelt oder ungenießbar ist ..
ich ärgere mich auch immer wenn ich im Globus sehe was da auf das Abräumband gestellt wird
das ist manchmal das komplette Essen ..
in Gaststätten lasse ich mir den Rest einpacken
mein Biomüll besteht aus Kaffeesatz und Kartoffelschalen ;)
Martina: ... und den Kaffeesatz könntest du noch an die Blumen geben. Er wirkt nämlich gegen Läuse! :-)
Astrid: Das ist tatsächlich ein großes Problem mit den Resten. Nicht nur mit den Resten auf dem Teller, sondern auch mit den Lebensmitteln, die das Mindesthaltbarkeitsdatum gerade überschritten haben.
Meine Mutter wirft prinzipiell keine Lebensmittel weg, was mir auch nicht so sehr gefällt, weil ich dann doch befürchte, abgelaufene Lebensmittel könnten evtl. schon verdorben sein.
Ich konnte als Kind schon meinen Teller nicht komplett leeren, denn immer der letzte Bissen ging nicht mehr. Das ist oftmals heute auch noch der Fall. Bei uns erbarmt sich dann mein Mann gerne den Essensresten auf dem Teller.
Was ich auf jeden Fall entsorge, sind Eier, wenn sie das Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Dabei habe ich trotzdem immer ein schlechtes Gewissen, aber Salmonellen möchte man sich ja auch nicht einfangen.
Die übergroßen Portionen in Restaurants finde ich schrecklich. Da ist das Entsorgen ja schon vorprogrammiert. Mir persönlich wären generell kleinere Portionen lieber. 
Martina: Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum sprichst du eine wichtige Sache an. Viele schmeißen Dinge einfach weg, wenn das Datum erreicht ist. Aber es heißt ja 'Mindest ...' - und nicht 'Höchst-'-Haltbarkeitsdatum. Ich wette, dass dieses Datum von der Industrie sehr 'nach vorne gezogen' wird. Zum einen, um sich nicht in die Nessels zu setzen und zum anderen: Sie wollen ihre Produkte ja verkaufen und wenn viele Käufer die Produkte ungegessen wegwerfen, brauchen sie ja neue! Wenn ein Joghurt noch gut aussieht und noch gut riecht, isst mein Mann ihn auch noch, wenn der Joghurt schon 14 Tage abgelaufen ist. Ich gebe zu, ab da werde ich auch vorsichtig. Eier hab ich noch nie entsorgt, da man ja viele Dinge damit zubereiten kann. Wenn wir viele Eier vorrätig haben, wird ein Kuchen gebacken, Spiegeleier gegessen oder es gibt Eier in Senfsoße! :-)
Ulrike: Also das Problem haben wir auch tatsächlich häufiger. Unsere Tochter lässt auch manchmal ein halbes Brötchen liegen oder es bleibt was auf dem Teller zurück. Ich sage dann schon immer, sie soll sich dann einfach weniger drauftun und dann nachholen, wenn sie mag. Gut, trockene Brötchen reibe ich zu Semmelbröseln. Es widert mich an, wenn wir z.B. beim Chinesen essen gehen (Buffet) und die Leute laden sich ihre Teller bergvoll, um dann volle Teller wieder abräumen zu lassen. dann geht es wieder ans Buffet. Das finde ich krank! Meine mutter hat immer alle Reste verwertet, da gab es Brotaufläufe, Bratkratoffeln aus übriggebliebenen Salzkartoffeln, alles mögliche. Einiges kann auf den Kompost oder Brot für die Pferde :0) Ich finde auch sehr schlimm, wie Tiere gehalten werden, nur weil der Konsum so gestiegen ist. Da sterben Tiere damit wir was zu essen haben und dann schmeisst man es noch weg, wo bleibt da der Respekt vorm Tier? Männliche Küken werden geschreddert, usw. mit Tomaten werden ganze Schlachten veranstaltet, z.B. in Italien. Ich glaube, die ganze Gesellschaft ist ein krankes System, deshalb wird so viel weggeworfen. Ich recycele aber auch andere Sachen, z.B. alte Jeans, Bettwäsche, usw. alles lässt sich nochmal zu etwas verarbeiten, wenn es nicht völlig verschlissen ist :0)
Martina: Stimmt, aus vielen Dingen lassen sich neue zaubern. Das sehe ich auf euren Blogs. Doch dafür braucht's Talent - und das hat nicht jede(r). :-) - Nein, ohne Spaß. Das, was du zu den Tieren schreibst, wird ganz sicher noch mal zu einem Thema hier bei mir. 
Klärchen: Deine Frage kann ich bejahen. Ich verwerte Reste! Koche meistens für zwei Tage, so das nichts übrigbleibt. Es kommt schon mal vor das zwei Eßlöffel Gemüse übrigbleiben und auch eine Kartoffel, dann mische ich es unters Hundefutter. Trockene Brötchen oder Weißbrot nehme ich für Frikadellen, weiche sie ein.Für Serviettenknödel kann man auch Brot verwenden.
Allgemein versuche ich alles zu verwerten, aus reifem Obst koche ich Marmelade oder mache noch einen Obstsalat.
So verkommt sehr wenig, alles andere geht auf den Kompost was roh ist.
Martina: Ich glaube, dass es eine Frage der Einstellung und auch der Erziehung ist, ob wir schnell etwas entsorgen oder darüber nachdenken, wie wir es noch verwerten könnten. Im Moment scheint die Mehrheit noch so erzogen zu sein, dass man versucht, so wenig wie möglich zu entsorgen. Wenn wir etwas Gutes tun wollen, sollten wir diese Einstellung wiederum an unsere Kinder weitergeben. 
Sarah: Es ist wirklich schlimm wie viele Lebensmittel im Müll landen. Ich bemühe mich immer ganz bewusst, das zu vermeiden. Vieles friere ich ein um es länger aufbewahren zu können und ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum hält mich nicht davon ab Sachen zu essen, die noch gut aussehen und gut riechen :)
Martina: So halten wir es auch. - Wie schön, dass du auch kommentiert hast!
Eva:  ich kaufe einmal die Woche ein und koche so, dass ich nie etwas wegwerfe. Das ist einfach Planung. Dass viele Läden immer mehr ihre Lebensmittel an Bedürftige weiterleiten ist super. Wenn Kinder nicht essen mögen, sollten Sie auf keinen Fall dazu gezwungen werden. Ich habe leider als Kind schlechte Erfahrungen mit meinem Vater gemacht und wurde gezwungen, den Teller aufzuessen. Es hat mir Gott sei Dank nicht geschadet.Essen ist heute für mich das Größte,was nicht immer so war.
Martina: Das klingt nach schlechten Erfahrungen aus der Kindheit. Wie gut, dass dir das Essen jetzt Freude bereitet. - Mit einem Einkauf einmal in der Woche kommen wir nicht hin. Da wir ein 6-Personen-Haushalt sind, kaufen wir etwas öfter ein - besonders Obst und Gemüse. 
Traude: Ich bin ehrlich gesagt schockiert, dass es nicht die Restaurants sind, die die meisten Essensreste in den Müll kippen, sondern die "Kleinmengenverbraucher". Gerade hier könnte doch besonders leicht die richtige Menge abgeschätzt werden. Du kennst ja meine Blogthemen und weißt daher, dass bei uns nichts verschwendet wird. Das habe ich von meinen Eltern (geboren 1924 und 1926, also Kriegsgeneration) so gelernt und finde es sehr schade, dass manche diesen sparsamen Umgang mit Lebensmitteln offenbar nicht an die nächsten Generationen weitergeben haben. Meine Eltern zwangen mich übrigens trotzdem nicht zum Aufessen. Es war eher mein Vater, der die Reste aufaß (und dazu immer sagte, wir müssten uns ein Schweindl halten, wenn wir ihn nicht hätten ;-)) oder es wurde ein "Restl-Gröstl" oder eine Suppe daraus gekocht. Nun, und heute ABend hatten mein Mann und ich Restl-Gröstl aus den Resten vom Sonntag, hat uns super geschmeckt. 
Martina: Mein Tipp waren auch die Restaurants. Ich gehe aber mal davon aus, dass das richtig recherchiert wurde und die Antwort, dass 'wir' es alle sind, stimmt. - Ja, deine Einstellung dazu kannte ich und freue mich, dass du sie hier noch einmal kund getan hast! :-)
Erica: Wir vermeiden es möglichst Reste zu bekommen, mit anderen Worten: Ich frage im Vorfeld, wie viel Appetit vorhanden ist. Es ist mir äußerst ärgerlich Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Also sorge ich nach Möglichkeit dafür, dass ich in dem Umfang koche, dass alle satt werden und nix übrigbleibt. Oder ich koche bewusst für mehrere Tage und es gibt verschiedene Beilagen dazu. Neulich wärmte ich mir auch den Rest vom Mittagstisch auf, da wirklich etwas übriggeblieben war. Es hätte mir regelrecht wehgetan, hätte ich das Essen wegwerfen müssen. Anderenorts hungern die Menschen! Und ich kenne es von jeher, dass Reste mit Eiern zu einer leckeren Mahlzeit veredelt werden können...
Martina: Ja genau, Ei drüber - und jejessen! - Nein, ich möchte keinen Spaß darüber machen, aber dieser Satz klang mir dazu gerade im Ohr. Bei mir war es am Montag auch so. Ich hatte noch einen Rest Nudeln und einen Rest Kartoffeln. Ich hab diese Reste in der Pfanne in Butter gebraten - mit 2 Eiern 'veredelt' und mein Mann hat alles mit großem Appetit gegessen. Man muss wirklich nicht soviel wegwerfen.

Freitag, 1. September 2017

Katerstimmung

Manche 'reizenden' Wörter haben es echt in sich. 
Diese hier zum Beispiel:

Junggesellenabschied – Wasserbett – toben – helfen – bedenklich

Diesmal bin ich auf die Geschichten meiner Mitschreiberinnen
besonders gespannt:


Foto: Pixelio.de/Birgit.H


Oliver wartete auf die Jungs, die in ein paar Minuten auftauchen müssten, um ihn zu seinem Junggesellenabschied abzuholen. 
Er erinnerte sich in diesem Moment an eine Situation vor einem halben Jahr. Zu dem Zeitpunkt hatte er vor der Entscheidung gestanden, ob er um Jennys Hand anhalten sollte oder lieber doch nicht. Er wusste noch genau, dass er damals von seinem besten Freund Tobias folgendes gehört hatte: „Vielleicht kann ich dir helfen!", hatte er gemeint. "Pass auf, wirf einfach eine Münze! Kopf heißt ‚Ja’, du fragst sie und Zahl heißt ‚Nein’“. 
Olli hatte daraufhin empört geantwortet, dass man eine solche Entscheidung nicht auf diese Weise trifft. Doch Tobi hatte ihm erklärt, wie er es meinte: „Wirf die Münze mit geschlossenen Augen und frag dich, worüber du dich mehr freuen würdest, wenn sich der Kopf zeigt, oder die Zahl?“ – Dieser Tipp war ungewöhnlich, doch Olli hatte es tatsächlich gemacht und er hätte nicht gewollt, dass sich die Zahl zeigt. Am darauf folgenden Tag hatte er Jenny einen Heiratsantrag gemacht und ein ‚Ja’ bekommen. Und nun kam der große Tag immer näher. In einer Woche würden sie getraut, doch an diesem Tag wollte er zunächst einmal seinen Abschied aus dem Junggesellendasein ausgiebig feiern.
Hupend hielt ein Auto vor seiner Haustür. Das waren die Jungs. Marko, Jennys bester Freund, hatte sich als Antialkoholiker bereit erklärt, zu fahren. Natürlich waren auch sein bester Freund Tobias dabei und noch ein paar Jungs, mit denen er schon seit ewigen Zeiten befreundet war. Oliver wollte sich noch einmal so richtig austoben. – Voller Vorfreude auf einen lustigen Abend lief er aus dem Haus.

Am nächsten Tag: Olli öffnete die Augen – aber nur einen kleinen Schlitz breit. Das Tageslicht brannte in seinen Augen, sein Kopf schmerzte und seine Blase drückte. Oliver musste sich zunächst sammeln. Was war für ein Tag und warum ging es ihm so schlecht? Langsam dämmerte es ihm: Junggesellenabschied! Genau! Er hatte mit den Jungs gefeiert und viel zu viel Alkohol getrunken. Doch wie war er nach Hause gekommen? Er konnte sich nicht erinnern.
Oliver wollte sich umdrehen, um aufzustehen, doch das Bett schwankte bei seinen Bemühungen bedenklich. Er fühlte sich, als sei er auf einem Schiff! Schlagartig riss er die Augen weit auf, als er bemerkte, dass es nicht Jenny war, die da neben ihm lag. Es war Marco! Er lag mit Jennys bestem Freund in dessen Wasserbett.
Olli hob die Bettdecke. Er war nackt. Splitterfasernackt – und Marko? Marko war auch nackt. Aber nicht nur das. Marko war auch schwul! Olli wurde schwindlig. Er würde doch nicht … mit IHM? 
Um ihn nicht zu wecken, verhielt sich Olli möglichst leise. Als er endlich auf seinen Beinen stand, hatte er das Gefühl, zu schwanken. Er wollte in diesem Moment nur eines: So schnell wie möglich aus dieser mysteriösen Situation heraus.
Er bestellte sich ein Taxi und ließ sich nach Hause bringen. Ein Gedanke schwirrte in seinem Kopf: Ob Marco Jenny gegenüber dicht hielt? Zuhause angekommen war er froh, dass seine Freundin noch nicht da war. Er ließ sich in der Dusche kaltes Wasser über seinen dröhnenden Kopf laufen, doch seine Erinnerung kam dadurch nicht zurück. Als er aus dem Bad kam, hörte er einen Schlüssel in der Haustür. Das war Jenny. Wie sollte er sich ihr gegenüber verhalten? Sein schlechtes Gewissen war riesengroß. Warum nur hatte er sich in eine solch blöde Situation manövriert? Wenn Jenny davon erfuhr, würde sie vielleicht die Hochzeit absagen. Er war wirklich der größte Idiot auf Gottes Erdboden.
„Hallo, mein Schatz“, rief Jenny und drückte Oliver einen Kuss auf den Mund. „Oh mein Gott, du riechst ja immer noch wie eine Kneipe! Ich werde uns erst einmal einen Kaffee kochen. Brötchen hab ich grad vom Bäcker geholt. Das wird dir bestimmt gegen deinen Kater helfen – oder brauchst du Rollmöpse?“, fragte sie lachend. „Ich bin auch noch nicht lange zurück“, plauderte sie gelassen weiter, während sie den Tisch deckte, „es war so toll in diesem Hotel. Wir haben uns total verwöhnen lassen. Das war viel besser, als irgendwo abzufeiern. Und wie war es bei euch? Hattet ihr viel Spaß? Erzähl doch mal!“
„Da gibt es nichts zu erzählen!“, brummte Olli.
„Wie, da gibt es nichts zu erzählen? Du willst mir doch nicht sagen, dass du die halbe Nacht mit deinen Freunden gefeiert hast und dass es nichts zu erzählen gibt.“
Abrupt drehte sich Jenny zu Olli um. Sie sah seiner Nasenspitze an, dass da etwas nicht stimmte. Er würde sie doch nicht …? Dass könnte sie ihm nicht verzeihen.
„Olli, hast du mich betrogen?“, fragte sie deshalb rundheraus.
In dem Moment klingelte es an der Haustür.
„Ich gehe, aber du wirst mir meine Frage noch beantworten", zeterte Jenny.
Wutentbrannt rannte sie zur Tür.
„Hey Jenny, ich wollte nur schauen, ob dein zukünftiger Ehemann wohlbehalten zuhause angekommen ist. Er ist nämlich ohne ein Wort zu sagen gegangen“, verkündete Marko, „kein feiner Zug von ihm, wo er mich die halbe Nacht wach gehalten hat.“
Olli war so weiß wie die Wand, vor der er stand. Jetzt käme alles heraus. Er hätte nicht soviel Alkohol trinken sollen! Aber jetzt war es für diese Erkenntnis zu spät. Marko würde alles ausplaudern. Er kannte ihn und wusste genau, dass er nichts für sich behalten konnte.
„Und, wie geht’s dir?“, fragte Marko und es klang sogar ein wenig mitfühlend.
„Geht so“, erwiderte Olli.
Marko stöhnte, als er sich auf einen Stuhl plumpsen ließ. „Also wirklich, mit dir macht man was mit.“
„Was denn?“, mischte sich nun fragend Jenny ein. „Mein lieber Olli kann sich nämlich an nichts mehr erinnern.“
„Das kann ich mir gut vorstellen. Ist ihm im Nachhinein bestimmt alles sehr peinlich.“
Halt doch einfach den Mund, dachte Olli.
„Also, noch einmal mach ich das nicht mit“, meinte Marko theatralisch. „Die Jungs waren derart betrunken und dein Freund hier ist besonders negativ aufgefallen. Da jammert er mir die ganze Zeit die Ohren voll, dass er nicht alleine zuhause sein möchte und ich bin so gutmütig und nehme ihn mit zu mir und was macht er? Anstatt ins Haus zu gehen, rennt er in den Garten und springt in den Teich. Keine Ahnung, wie er es geschafft hat, sich vorher auszuziehen. Ich hab dann ein Handtuch besorgt und ihn ins Schlafzimmer bugsiert. Doch nicht genug. Er stand wieder auf, zog die Nachttischschublade auf und wollte dort hinein … ich erspare euch Details. Gerade noch rechtzeitig hab ich ihn ins Bad geschoben. Also, wie gesagt, noch einmal mach ich das nicht mit.“
„Uns sonst? Was ist sonst noch passiert?“, fragten Jenny und Olli fast gleichzeitig.
„Wie? Was soll denn sonst noch passiert sein? Also, mir hat das allemal gereicht!"

Sonntag, 27. August 2017

Frage 13: Lebensziele erreicht?

Wir alle durchleben unterschiedliche Lebensphasen und damit einher gehen unterschiedliche Wünsche und Ziele.
Als kleines Kind wünschen wir uns vielleicht eine Barbie oder Carrera-Bahn. Unser Ziel: Größer und älter werden.
Im Teenageralter ändern sich die Wünsche zum ersten Mal drastisch. Vor allen Dingen wünschen wir uns eins: Endlich erwachsen zu werden und uns von der Familie zu lösen.
Die Frage, welche schulische und später berufliche Richtung wir einschlagen wollen, steht an. Welche Ziele wollen wir erreichen? Karriere machen? Welt umsegeln? Probleme sind vorprogrammiert, wenn unsere Wünsche und Lebensziele nicht mit denen übereinstimmen, die unsere Eltern für uns haben.
Später wünschen wir uns vielleicht einen Partner an unserer Seite, ein klassisches Familienleben, ein eigenes Haus. Wünsche und Ziele können vielfältig sein.
Dann kommt die Zeit, wo wir schauen, welche gesetzten Ziele wir erreicht haben. Vielleicht schlagen wir an einem Ort Wurzeln oder uns zieht es in die Welt hinaus.
Foto: Pixelio.de/S. Hofschlaeger

In der Lebensmitte wird es manchmal schwierig. Zum einen vielleicht wegen der Erkenntnis, dass wir doch nicht das Ziel erreicht haben, das wir für uns gewünscht hatten und wir erkennen, dass unsere Träume zerplatzt sind. Wir müssen mit den Konsequenzen unserer früheren Entscheidungen leben. Vielleicht gestaltet sich das Familienleben doch nicht so, wie wir es uns gewünscht haben. Dann gilt es, das anzunehmen, was man erreicht hat.
Mein Empfinden ist, dass es in jüngeren Jahren einfacher ist, sich Ziele zu setzen. Sicher bedingt dadurch, dass das Leben noch vor einem liegt, endlos scheint. Wenn das letzte Viertel (oder Drittel) des Lebensweges vor uns liegt, verändern sich Wünsche und Ziele schon allein dadurch, dass wir erkennen, dass das Leben endlich ist und der Körper sich verändert.
Allgemein wünschen wir uns Gesundheit für uns und unsere Familien, genügend Geld usw. usw. Doch wie sieht das mit den ganz konkreten, persönlichen Zielsetzungen aus?

Gab es in deinem Leben Ziele, 
die du nicht – oder noch nicht – erreicht hast? 
Bedauerst du das oder kannst du annehmen, 
dass sich dein Leben anders entwickelt hat, 
als du es dir gewünscht hast?


Gibt es ein – oder mehrere – Ziel(e), 
die du unbedingt noch erreichen möchtest?


Sadie: Ein sehr interessantes Thema, das du hier aufgreifst.
Ich bin überzeugt, dass sich jeder, der in der Blüte seines Lebens steht, darüber Gedanken macht, wie sein Leben verlaufen ist, welches Ziel wir als junge Menschen hatten, was wir erreicht haben. Ziele sind immer angestrebte Zustände und das finde ich besonders wichtig. Es ist unerlässlich Ziele zu haben, egal ob das im Beruf oder bei der Familienplanung ist – ansonsten wäre das Leben „Stillstand“ den möchte ich nicht.
Mein persönliches Ziel habe ich erreicht, wir sind eine glückliche Familie, die in allen Lebenslagen zusammenhält, die sich vertraut, die immer für den anderen einsteht und das ist das Wichtigste für mich. Selbstverständlich denkt man manchmal darüber nach, dass nicht alles so verlaufen ist, wie geplant, vielleicht hätte ich doch Lehrer werden sollen? Oder habe ich mir nicht immer ein größeres Haus gewünscht?
Trotz des Ziels, dass man sicher vor Augen hat, muss man sein Leben annehmen und das Beste daraus machen.
Es wäre auch mein größter Wunsch, dass alle gesund bleiben, dass es keinen Krieg und keinen Terror gibt, jeder friedlich nebeneinander leben kann, mein Ziel ist es das Beste zu versuchen.

Martina: Diese - ich sage mal - 'klassischen' Lebensziele hatte und habe ich genau so, wie du auch. Eine tolle Familie, Kinder und Enkel zu haben, war mein größter Wunsch. Dass es nicht selbstverständlich ist, dieses Ziel zu erreichen, wurde mir erst später bewusst, als ich erkannte, dass es schon ein großes Glück ist, ein Kind zu haben. Vielen wird dieser Wunsch verwehrt und schon entwickelt sich das Leben völlig anders.
Angel: gibts ein Ziel das noch vor einem steht undn das man erreichen möchte wenn man im letzten Driottel des Lebens erreicht hat und von da aus -guckt? Gute Frage liebe Martina...
ständig auf der Flucht vor der Vergangenheit zu sein hilft uns bei dem gedanken nicht weiter wenn wir dies als Ziel der Erfüllung wünschen, akzeptieren was war und nach vorne schauen - das fällt zwar vielen schwer weil dazu gehört sich ändern zu wollen, vergangenes hinter uns zu lassen und es trotzalledem zu respektieren und nicht zu verneinen.
Ob die Wünmsche für die Zukunft nun groß oder klein, teuer oder preiswert sind - ich denke die gesundheit und das schmerzlose Leben ohne noch größere Probleme die das Leben uns aufgibt - zu leben ist wohl das was sich die meisten Menschen wünschen würden.
Wir haben die Angst vor den großen Kriegen, (berecntigt)die Angst vor dem Verlust eines Menschen, der Gesundheit, der eigenen (vielleicht wirtschaftlichen) Exsistenz - eine Sicherheit dass sich noch einmal ein großer Wunsch erfüllt gibt es wahrscheinlich nicht. Wenn er eminent wichtig für einen selbst ist, versucht man ihn zu verwirklichen...
wieder mal ein tolles Thema das du zum nachdenken eingestellt hast. Bin sehr gespannt ob und welche Antworten es darauf gibt..
Martina: Ich bin auch immer sehr gespannt auf die Antworten und stelle fest, wie viel Übereinstimmung es oft gibt. Ich glaube, im letzten Drittel unseres Lebens ist es sehr wichtig, dass anzunehmen, was war und vielleicht auch, zu erkennen, warum wir einige Ziele nicht erreicht haben. Dies sollten wir tun, ohne damit zu hadern.
Monika: Du entdeckst viele Lebensthemen und sammelst sie wunderbar in deinem Blog mit deinen besonderen eigenen Worten. Ich lese es gerne.....
Heute auch ein paar Zeilen von mir.-
Es ist ein Geschenk große Lebensziele erreichen zu dürfen,
dass ist dem Menschen gar nicht immer bewusst!
Große Lebensziele sind nicht immer in ihrer Gänze erreichbar und das kann oft auch Schmerz bedeuten, je nach dem wie sie angelegt waren, angelegt sind und wie wichtig sie einem erscheinen im Leben....
Es ist gut und motivierend Ziele zu haben,
egal in welchem Alter und in welcher Situation...
Ziele werden erreichbarer, so meine Erfahrung, wenn man sie nicht immer nur als große Lebensziele steckt, es gibt so viel dazwischen.- 
Ziele, die in der Summe ein Leben bereichern und zum Großen werden können.
Ziele die auch im Schicksal des einzelnen Lebens erreichbar sind, 
erreichbar bleiben, in jedem einzelnen Lebens, 
die dann auch zum aktuellen Leben, zur individuellen Lebenssituation passen.
Vielleicht ist das das Wort Ziel manchmal auch ein viel zu großes Wort, oft ist es ja schon ein Wunder den nächsten Schritt gehen zu können.-
Es braucht immer wieder Verarbeitung und Neuausrichtung im Leben!
Kleine Ziele erreichen zu können, zu dürfen ist ein großes Glück
und auch das ist ein Geschenk und nicht selbstverständlich...
Wir können alles dafür tun,
aber es liegt nicht wirklich in unserer Hand....
In diesem Sinne schicke ich dir liebe Grüße
in der Hoffnung, dass wir unsere kleinen Ziele erreichen dürfen.
Martina: Immer kleine Ziele anzusteuern - aber dabei das 'große' Lebensziel nicht aus den Augen zu verlieren, dass sind gute Gedanken. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt - egal, wie lang oder kurz der Weg wird, der vor uns liegt.
Klärchen: 
Ziele können ja so vielfältig sein!
Ohne Ziel um herzuirren
kann doch sehr verwirren.
In jungen Jahren hast du große Ziele
davon sicher auch ganz viele.
Sich Ziele setzten und vernetzen
ist sicher auch ein Ziel.
Doch im Laufe des Lebens
ist mancher Schritt vergebens.
Hat man seine Fähigkeiten nicht genutzt,
ist andere Wege gegangen
Ist im Alltag gefangen kommt der Frust
und die Lust auf neues und
erreichbare Ziele ins Auge fassen.
Auch im letzten Drittel des Lebens
kann man Ziele setzen,
geht sie in kleinerer Schritten.
Jeder kleine Schritt führt auch zum Ziel ,
Gesundheit bedeutet viel.
Ohne träumen ,ohne Ziele
ist der Mensch arm
ohne Fantasie
erkennt er das wahre Leben nie.
Wir sind dem Wandel der Zeiten unterworfen
daran können wir nichts ändern.
Wir sind dem Wandel des Lebens unterworfen,
daran können wir etwas ändern.
Sich Ziele setzen in kleinen Schritten
und das Glück aufheben und im Herzen tragen.
© Klärchen
Da gäbe es noch viel zu sagen!
Martina: Hattest du dir diese Gedanken in Gedichtform schon vorher einmal gemacht oder mal eben so 'aus dem Ärmel geschüttelt'? - Klasse und Danke dafür! - Martina
Klärchen: 
Manchmal ich gut reimen kann,
es kommt auf das Thema an. 
Bis auf die letzten 6 Zeilen habe ich spontan geschrieben.
Für ein Gedicht taugt es nicht!
Das zu Deiner Frage :)) 
Martina: Ich finde, es hat durchaus Potential, eines zu werden! :-)
Manu: Ich hab' mir noch nie Gedanken über meine Lebensziele gemacht. Da waren wünsche, wie Kinder und Familie und die sind eingetreten. Aber ich habe noch nie ernsthaft darüber nachgedacht. Ich glaube das kommt mit dem 50ten Geburtstag. *g* Da war das eine ganz wichtige Frage bei den beiden Kolleginnen und auch bei Bekannten stelle ich immer wieder fest, wie man mit 50 über sein Leben nachdenkt. Vielleicht sind dann die Kinder groß, alles läuft in gleichmäsigen Bahnen und man hat dafür Zeit? Ich hab' es noch nicht gemacht, ich hab' das Gefühl ich bin noch mitten im Erreichen!
Martina: Zuerst hab ich über deine Antwort geschmunzelt - dann darüber nachgedacht - und dann festgestellt: Du hast absolut recht. Ich habe mir in jüngeren Jahren auch keine Gedanken über Lebensziele gemacht. Es hat sich alles so ergeben, wie ich es mir gewünscht habe. - Eine Erscheinung des Alters, darüber nachzudenken? Wahrscheinlich! - Man hinterfragt viel mehr. Das kann ich absolut bestätigen!
Tanja F: Nach einer schweren Krankheit vor ein paar Jahren, würde ich sagen, dass bei mir weniger Lebensziele als Lebensthemen eine Rolle spielen. Wenn ich ein Ziel formulieren würde, würde ich vielleicht sagen: Ich möchte immer einen Funken Dankbarkeit in mir haben, den ich entzünden kann, wenn es mir mal schlecht geht. Denn das Leben hier in Deutschland ist nicht perfekt, gibt aber den allermeisten Menschen eine Grundlage, auf der sie gut leben können. Ich möchte an meinem Lebensende sagen können: Danke, dass ich leben durfte, danke Gott, Du hast mir soviel geschenkt und es hat alles (auch das Schwierige) zu meinem Leben dazugehört und gepasst.
Martina: Schöne Gedanken, liebe Tanja! Ist es nicht eigenartig, dass es gerade diese schwierigen Zeiten sind, die uns prägen und auch Dankbarkeit verspüren lassen?! Aber nur so lernen wir das Gute und Gesundheit zu schätzen, wenn wir das Gegenteil erfahren durften. - Ich glaube, es macht Sinn, hin und wieder eine 'Standortbestimmung' zu machen und dazu gehört in jedem Fall auch, dankbar für alles zu sein, was uns geschenkt wurde und wird.
Traude: Ich glaube, es bringt nichts, Lebenszielen krampfhaft nachzurennen. Vermutlich habe ich deshalb keinen in Stein gemeißelten Lebensplan gemacht bzw. kann halbwegs damit umgehen, wenn manches dann doch nicht so klappt wie erhofft. Zwischendurch-Pläne und Hoffnungen gibt es nämlich natürlich DOCH. Zuweilen bleibe ich trotz Misserfolgen dran, weil es um Herzblutgeschichten geht, zuweilen verliere ich einen Plan wieder aus den Augen, weil die Sache dann doch nicht so wichtig war. Ich war mir bis 30 nicht sicher, ob ich jemals heiraten oder Kinder bekommen wollen würde, habe das offen gelassen und ließ mich überraschen. Meine Tochter bekam ich dann mit 31 und geheiratet hab ich mit 44. Reisen und so die Welt kennenlernen wollte ich immer schon - da tut sich einiges, wie du weißt. Ob sich die GANZE Welt in diesem Leben ausgehen wird, ist aber noch unklar ;-) Von der Stadt aufs Land wollte ich gern, dieser Sprung gelang mit 40. Den unkreativen Job gegen einen kreativen tauschen wollte ich gern, das ist mir nicht gelungen, aber es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ich bin ja erst … naja, fast 56, und kann hoffentlich noch viele Jahre lang kreativ arbeiten - falls nicht jetzt, dann eben erst wenn ich mal in Rente bin. Eine Alters-WG möchte ich gerne gründen, mit Menschen die ich mag und mit einem Helfer-Paar, das sich um die zunehmenden Bedürfnisse kümmert. Ist ein Plan für die nächsten zehn, maximal 15 Jahre - wenn wir’s bis dahin nicht durchgezogen haben, wird das wohl nichts mehr. Vielleicht wandern wir aber auch noch in ein anderes Land aus, sofern wir eines finden, in dem wir leben wollen würden. Die Welt würde ich natürlich auch noch gerne retten, aber das geht nur in kleinen Schritten und nur mit euch allen gemeinsam - und du weißt ja, ich arbeite dran ;-))
Martina (mit einem breiten Grinsen): Wenn man so kreativ ist wie du und so viele Pläne hat, braucht man auch kein Lebens-Ziel, sondern nur einen Lebens-Plan, wie man DAS ALLES unter einen Hut bringt - lach! --- In deinem Leben war nie Langeweile und sie wird niemals kommen. Das prophezeie ich dir und freue mich mit dir und für dich, wenn vieles von dem umsetzbar ist, was so an Plänen in deinem Kopf ist.
Erica Sta: Wieder ein Lebensthema, das wohl jeden einmal beschäftigt, liebe Martina - kein Zweifel.
Nach meinem Dafürhalten ist's eine Gratwanderung: Sich berufliche, private Ziele zu setzen jedoch ein Maß im Auge zu behalten. Was nicht gleichlautend bedeuten soll, sich in seinen Vorstellungen oder Träumen einzuschränken. 
Und ich bin weiterhin der Meinung, der festen Überzeugung sogar, dass auch im fortgeschrittenen Alter Ziele eminent wichtig sind für uns alle. Wir, mein Mann und ich beschreiten aktuell die Umsetzung eines Ziels, eine Etappe ist dabei erreicht...
...rückblickend kann ich trotz schwieriger Lebenslagen sagen, dass ich viel erreicht habe, erfolgreich war, wenn man es unter diesem Aspekt sehen mag.
Martina: Es ist sogar immens wichtig, gerade mit zunehmendem Alter, noch Ziele zu verfolgen. - Ich habe nur den Eindruck, es ist schwieriger, sie zu formulieren. - Ich freue mich für euch, wenn ihr ein Ziel verfolgt. Was wohl sehr wichtig ist, dass man sich im Alter nicht aufgibt, sich mit Dingen umgibt, die Freude bereiten und ja, wenn es Ziele gibt, sie anzusteuern.